Kultur

Zwischennutzung, die wirkt: Michi Kern über den Pineapple Park als Ort für Sport, Kultur und Begegnung

Michi Kern

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03.07.2026

Die Paketposthalle ist ein besonderer Ort in München. Ein denkmalgeschütztes Bauwerk, ein Stück Stadtgeschichte und zugleich ein Raum, der schon heute zeigt, was urbane Zukunft bedeuten kann: Offenheit, Vielfalt und gemeinsames Erleben. Mit dem Pineapple Park ist auf dem Areal des zukünftigen PaketPost Quartiers eine Zwischennutzung entstanden, die weit mehr ist als ein temporäres Angebot. Sie bringt Menschen zusammen, schafft Raum für Sport, Kultur und Begegnung und macht das Gelände für viele Münchnerinnen und Münchner im Alltag schon jetzt erlebbar. Verantwortlich für die Umsetzung und Bespielung ist Michi Kern, der mit dem Pineapple Park einen offenen Ort schaffen möchte.

Im Gespräch erzählt er, warum Zwischennutzung für ihn kein Lückenfüller ist, welche Rolle Sport und Kultur für das Miteinander spielen und weshalb die Paketposthalle schon heute zeigt, welches Potenzial in diesem Ort steckt.

Herr Kern, was ist der Pineapple Park für Sie persönlich?

Für mich ist der Pineapple Park vor allem ein Ort, an dem man spürt, wie viel möglich wird, wenn man Räume öffnet. München ist eine Stadt, in der Flächen knapp sind. Gerade junge Menschen, Initiativen, Sportgruppen oder kulturelle Formate suchen oft nach Orten, an denen sie unkompliziert stattfinden können. Genau hier setzt der Pineapple Park an.

Wir wollten keinen abgeschlossenen Veranstaltungsort schaffen, sondern einen offenen Treffpunkt. Einen Ort, an dem man einfach vorbeikommen kann. Zum Basketballspielen, für ein Event, eine Ausstellung oder einfach, um Menschen zu treffen. Für mich ist wichtig: Der Pineapple Park soll niedrigschwellig sein. Für alle geöffnet. Jeder darf mitspielen.

Das PaketPost-Quartier wird also nicht nur für einzelne Veranstaltungen genutzt, sondern ist regelmäßig belebt?

Absolut. Das Quartier ist kein Leerstand, der ab und zu bespielt wird. Der Ort wird kontinuierlich genutzt. Woche für Woche kommen mehrere tausend Menschen auf das Gelände. Manche besuchen Veranstaltungen, andere nutzen die Sportflächen oder nehmen an offenen Angeboten teil. Viele kommen ganz selbstverständlich im Alltag, nicht nur zu großen Events. Gerade diese Mischung macht den Ort besonders. Es gibt große Formate, die viele Menschen anziehen, zum Beispiel Street-Food-Festivals mit bis zu rund 10.000 Besucherinnen und Besuchern an einem Wochenende. Dazu kommen regelmäßige Veranstaltungen wie der Midnightbazar, der immer freitags und samstags stattfindet. Aber genauso wichtig sind die alltäglichen Nutzungen. Die kostenlosen Basketball- und Fußballflächen, offene Trainings, Jugendangebote, kleinere Community-Formate. Das sind Dinge, die vielleicht weniger Schlagzeilen machen, aber für die Stadtgesellschaft extrem wertvoll sind.

Welche Rolle spielt die Büschl Unternehmensgruppe dabei?

Eine sehr wichtige. Dass die Büschl Unternehmensgruppe als Eigentümerin uns sehr weite Teile des Paketpost Quartiers zur Verfügung stellt, ist nicht selbstverständlich. Man könnte eine solche Fläche auch einfach sichern, abschließen und auf die langfristige Entwicklung warten. Stattdessen wurde entschieden, dass dieser Ort schon jetzt zugänglich und nutzbar sein soll. Das ist für München ein starkes Signal. 

Was macht den Pineapple Park aus Ihrer Sicht besonders für Jugendliche und junge Menschen interessant?

Junge Menschen brauchen Räume, die nicht immer sofort mit Hürden verbunden sind. Orte, an denen man sich bewegen kann, an denen man gesehen wird, an denen man aber auch einfach sein darf. Im Pineapple Park gibt es genau das. Basketball- und Fußballflächen sind täglich kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Auch Beach Volleyball kann man vormittags kostenfrei nutzen. Dazu kommen wöchentliche kostenfreie Jugendangebote und auch weitere Freiflächen. Das ist für mich einer der wichtigsten Aspekte des Projekts. Wenn Jugendliche einen Ort haben, an dem sie unkompliziert Sport machen können, entsteht sehr schnell Gemeinschaft. Man kommt ins Gespräch, Menschen aus unterschiedlichen Stadtteilen und Hintergründen begegnen sich.

Der Pineapple Park verbindet Sport, Kultur, Märkte und Ausstellungen. Warum ist diese Mischung so wichtig?

Weil Stadtleben genau daraus besteht. Eine Stadt funktioniert nicht in getrennten Schubladen. Menschen interessieren sich nicht nur für Sport oder nur für Kultur. Sie bewegen sich zwischen diesen Dingen. Sie kommen vielleicht zum Basketball und bleiben für ein Event. Oder sie besuchen eine Ausstellung und entdecken danach den Nachtflohmarkt. Für uns ist wichtig, dass der Pineapple Park kein Ort für eine bestimmte Szene ist. Er soll offen sein und sich an ein breites Publikum richten. Wir haben viel Platz für Initiativen und wollen, dass unterschiedliche Menschen hier etwas finden, das zu ihnen passt.

Welche Zahlen zeigen aus Ihrer Sicht besonders gut, dass die Zwischennutzung funktioniert?

Am stärksten ist für mich die regelmäßige Nutzung. Es geht nicht nur darum, dass einzelne Großveranstaltungen viele Besucherinnen und Besucher anziehen. Entscheidend ist, dass der Ort Woche für Woche lebt. Im Durchschnitt haben wir über den Tag verteilt bis zu 1.000 Personen pro Tag auf unserem Gelände.

Was bedeutet Zwischennutzung für Sie grundsätzlich?

Ich finde den Begriff manchmal fast zu klein. Zwischennutzung klingt nach etwas Vorübergehendem, nach einer Lösung für die Zeit dazwischen. Natürlich stimmt das in gewisser Weise. Aber eine gute Zwischennutzung kann viel mehr sein. Sie kann testen, was funktioniert. Sie kann Menschen an einen Ort heranführen und einen wichtigen Beitrag für die Stadtgesellschaft leisten. Für mich ist Zwischennutzung dann gelungen, wenn sie nicht wie ein Provisorium wirkt, sondern wie ein lebendiger Teil der Stadt und eine gewisse Dynamik und Leichtfüßigkeit entsteht. Genau das versuchen wir hier.

Was wünschen Sie sich für die nächste Zeit im Pineapple Park?

Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen den Ort für sich entdecken. Vor allem wünsche ich mir, dass Initiativen, Vereine, junge Sportgruppen, kulturelle Formate und kreative Ideen den Pineapple Park als Möglichkeit sehen. Wir haben Platz und wir wollen, dass dieser genutzt wird.

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