Kultur

Respekt für systemrelevante Berufe

Karin Neumeier

Ehrenamtliche Vorständin bei Nicolaidis YoungWings Stiftung

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12.01.2026

Nach der Entwicklung des Paketpost Quartiers wird ein Teil der entstehenden Wohnungen ausschließlich für Menschen mit systemrelevanten Berufen reserviert. Das ist eine gute Nachricht und bedeutet konkrete Hilfe.

In München ist Wohnraum knapp. Das ist kein neues Phänomen. Aber in den vergangenen zehn Jahren sind die Mieten deutlich gestiegen - und mit ihnen die Sorgen vieler Mieterinnen und Mieter. Gerade für Menschen in den sogenannten „systemrelevanten Berufen“ wird das mehr und mehr zum Problem. Denn meist verdienen Menschen in den lebenswichtigen Sektoren wie Gesundheit und Pflege, Polizei und Feuerwehr, Energie- und Wasserversorgung, Ernährung, Infrastruktur u.ä. nicht so viel wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft, mit denen sie um (zu) wenige Wohnungen konkurrieren. Sie können sich München schlichtweg nicht leisten und sollen doch hier in dieser Stadt ihre so wichtige Arbeit tun.

Während einige Berufsverbände und Gewerkschaften mittlerweile versuchen, Wohnungen für ihre Mitarbeitenden bereitzustellen und/oder zu vermitteln, schaut es für Berufsgruppen, für die es keine Lobby gibt, noch schwieriger aus. Wir sehen dies in unserer täglichen Arbeit: Die Nicolaidis YoungWings Stiftung berät und begleitet seit über 25 Jahren Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Tod eines Elternteils, beider Eltern oder der Lebenspartnerin/des Lebenspartners. Wie viele soziale Organisationen sind wir stark von Spenden abhängig und können unsere hochqualifizierten Trauerbegleiterinnen leider nicht so gut bezahlen, wie wir das gerne möchten. Dabei sind Berufe wie Trauerbegleitung bei uns und auch Tätigkeiten in unserem Netzwerk, wie etwa die Akutbegleitung von Betroffenen nach Traumata, ein wichtiger Baustein der Prävention. Diese Berufe werden oft in Vereinen und Organisationen ausgeübt, die nicht finanziell abgesichert sind, weil dafür keine öffentlichen Gelder zur Verfügung stehen. Umso wichtiger ist es, dass solch engagierten Menschen die Möglichkeit gegeben wird, wenigstens eine gesicherte Wohnmöglichkeit in München zu erhalten.

Insofern ist es für mich eine außerordentlich positive Nachricht, dass im Konzept für die Entwicklung des Paketpost Quartiers ein Teil der entstehenden Wohnungen ausschließlich für Menschen mit systemrelevanten Berufen reserviert werden soll. Es werden immer noch nicht genug sein, aber es ist ein sehr wichtiger und richtiger Schritt in die Richtung, das Gerüst unserer Gesellschaft zu stärken.

Hier ist die Hilfe ganz konkret und es freut mich sehr, dass der Projektentwickler sich diesem Thema angenommen hat und auf freiwilliger Basis den dringend benötigten Wohnraum schaffen wird.

Ich hoffe, dass das Areal schnell umgestaltet wird, damit Beschäftigte in dieser zentralen, attraktiven Lage ein Zuhause finden, von dem aus sie ihren Dienst an der Gesellschaft in München gut ausüben können.


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